Bauern und Jäger gemeinsam für junge Wildtiere

Bereits im fünften Jahr engagiert sich die Stiftung Wildtiere aktiv für die Rettung der jungen Wildtiere. Diese Aktion wird gemeinsam durch die Jägerinnen und Jäger mit den Bäuerinnen und Bauern des Kantons Aargau realisiert. Denn nur gemeinsam können nachhaltige und erfolgreiche Resultate erreicht werden.

Was gemeinhin vor allem für die Rehkitze, vielleicht noch Igel und Bodenbrüter wahrgenommen wird, geht in Tat und Wahrheit viel weiter. Nicht nur Säuger und Vögel sind in dieser Jahreszeit gefährdet, sondern in grossem Masse auch Kleintiere wie Frösche und Amphibien sowie Insekten wie Bienen und Mücken. Überlebensstrategien von Wildtieren, die sich über Jahrtausende bewährt haben, wirken beim Mähen verheerend. Rehkitze ducken sich bei Gefahr und kauern regungslos auf dem Boden. Vom Bauern können sie so beim Mähen kaum entdeckt werden. Was ein toller Schutz ist gegenüber natürlichen Feinden, funktioniert gegenüber unserer Zivilisation nicht. Ebenso betroffen sind auf den Wiesen brütende Vögel wie die Feldlerche, deren Nester und Gelege durch die Mähwerke zerstört werden. Aber auch Erdkröte, Gras- und Laubfrosch sowie Eidechsen, Blindschleichen oder Ringelnatter entkommen den Gefahren nicht. Insekten wie Bienen, Fliegen oder Heuschrecken sind zudem durch den Sog der Mäher höchst gefährdet.

Vor dem Mähen die Jagdgesellschaft kontaktieren 
Die moderne Landwirtschaft engagiert sich gemeinsam mit den Jägerinnen und Jägern aus der Region aktiv zum Schutze der Kinderstuben der Natur. Vor dem Mähen gilt es, die jeweilige Jagdgesellschaft oder die Jagdaufseher frühzeitig über das Mähen zu informieren. Die Wiesen werden beobachtet und abgesucht. Am Mähvortag werden auf den Wiesen Scheuchen zur Vergrämung der Wildtiere aufgestellt. Während des Mähens wird die Wiese gut beobachtet und  langsames Mähen erhöht die Chance auf Entdeckung der Tiere. Eine Schnitthöhe von 10 bis 15 Zentimeter ermöglicht die Rettung von Amphibien und Kröten und vermindert den Einsog von Insekten massiv. Bewährt haben sich zudem das Mähen von „Innen nach Aussen“ und die Erhaltung eines Rückzugstreifens. Optimal ist das Mähen zu den Rückzugsstreifen hin. Dadurch haben die Kleintiere die Möglichkeit zu fliehen und gelangen so in die Rückzugsstreifen.

Viel Grünland auch im Aargau
Im Kanton Aargau sind rund 33‘000 Hektaren Wiesen oder etwa 53% der gesamten landwirtschaftlichen Bodennutzung betroffen. In den Frühlingsmonaten, vor allem Mai und Juni, sind über 1000 Bauern und Jäger im Einsatz zum Schutze der Jungtiere. Eine einzigartige und die wohl grösste Naturschutz-Aktion im Kanton während dem ganzen Jahr, welche die Steuerzahler erst noch kein Geld kostet. Die Aktion „Rettet die jungen Wildtiere“ gewann 2013 den wertvollen Anerkennungspreis der Jury des schweizerischen Hegepreis von Jagd Schweiz. Unterstützt wird die Aktion vom Bauernverband Aargau, Jagd Aargau und von pro natura.