Ernährungssicherheit: Aargau stimmt mit fast 75 % zu
Mit einem überwältigenden Ja-Anteil von fast 79 Prozent sprach sich das Schweizer Stimmvolk am letzten Sonntag für den neuen Artikel 104a aus, der die Ernährungssicherheit in der Verfassung verankert. Das sehr klare Resultat zeigt, dass sich die Stimmbürger der anstehenden weltweiten und nationalen Herausforderungen bewusst sind und einen Beitrag zur Bewältigung leisten wollen. Denn Ernährungssicherheit ist nicht selbstverständlich: Begrenztes Kulturland und eine Produktion mit knappen Ressourcen wie Wasser müssen immer mehr Menschen ernähren. Dazu kommen zunehmende Produktionsunsicherheiten infolge des Klimawandels. Damit Ernährungssicherheit gewährleistet ist, muss jedes Land für eine nachhaltig ausgelegte Produktion sorgen und die eigene Landwirtschaft entsprechend gezielt fördern. Die Schweiz hat als wahrscheinlich erstes Land der Welt diesen Schritt gemacht. Nun gilt es, den Volkswillen auch umzusetzen.
Resultat bei kommenden Gesetzen berücksichtigen
Der Schweizer Bauernverband (SBV) wie auch der BVA erwarten, dass der neue Artikel als Leitlinie und Zielvorgabe für alle kommenden Gesetzes- und Verordnungsänderungen gilt, welche die einheimische Land- und Ernährungswirtschaft betreffen. Speziell sind die Grundlagen für die Produktion wie das Kulturland zu sichern. Das im Parlament von Bundesrat Schneider-Ammann geäusserte Ziel von einer langfristigen Sicherung von einer Million Hektaren Kulturland ist hier die Richtgrösse. Die künftigen Herausforderungen gilt es weiter durch Förderung einer ressourceneffizienten, standortangepassten und auf den Markt ausgerichteten inländischen Produktion anzugehen. Sie soll sicherstellen, dass sich die Schweiz auch in Zukunft zu mehr als die Hälfte selber ernähren kann und dabei zu Boden, Wasser, Luft und Biodiversität langfristig Sorge trägt.
Höhere Wertschöpfung gefordert
Damit auch die soziale und ökonomische Nachhaltigkeit gewährleistet sind, braucht es eine höhere Wertschöpfung bei den einheimischen landwirtschaftlichen Familienbetrieben und eine faire Zusammenarbeit innerhalb der ganzen Branche. Ohne angemessene Einkommen wird sich der Strukturwandel nicht nur in der bisherigen Grössenordnung fortsetzen, sondern massiv beschleunigen, wie das Beispiel der Milchbetriebe zeigt.
Grenzschutz aufrechterhalten
Ökonomische Nachhaltigkeit bedingt, das heutige Niveau des Grenzschutzes beizubehalten. Bei neuen Handelsabkommen sind zudem konsequent Nachhaltigkeitskriterien zu verankern, um den fairen Handel und eine umweltbewusste Produktion auch im Ausland einzufordern. Eine höhere Wertschätzung für Lebensmittel vermindert das Problem der Verschwendung und Foodwaste. Der BVA bietet Hand, um die einheimische Landwirtschaft in eine nachhaltig ausgerichtete Zukunft zu führen und so die langfristige Ernährung der Bevölkerung zu sichern.
Ralf Bucher
Geschäftsführer